Leseprobe:
Team Yankee


ISBN 978-3-946168-50-8 (Hardcover)
ISBN 978-3-946168-51-5 (Paperback)


Was, wenn der Kalte Krieg heiß wird?

Vorwort von Torsten Mann

Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit der »Kollaps des Kommunismus« den Kalten Krieg beendet hat, woraufhin die Sowjetunion verschwand und Russland von der westlichen Welt als »strategischer Partner« anerkannt wurde. Die Gefahr eines großen Krieges in Europa schien endgültig überwunden und stattdessen ging man im Rahmen der »Global Governance« dazu über, die »internationale Kooperation« bei der Bekämpfung des »globalen Klimawandels« und des »internationalen Terrorismus« auszubauen. Dieser Wandel der Bedrohungslage hatte erhebliche Auswirkungen auf die Verteidigungspolitik der westlichen Staaten, die im Lauf der Jahre vom Konzept der Landesverteidigung abrückten, ihre Armeen abrüsteten und sie stattdessen immer mehr auf »humanitäre Einsätze« und die Erfüllung globaler Polizeiaufgaben ausrichteten. Bis im Frühjahr 2014 der sicher geglaubte Frieden in Europa durch die russische Invasion in der Ukraine plötzlich beendet wurde. Schlagartig war der Kalte Krieg wieder da und seine Rückkehr kam für die westliche Öffentlichkeit ebenso überraschend, wie sein vermeintliches Verschwinden gegen Ende der 1980er Jahre.

 




  
    
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Doch aufmerksame Beobachter hatten schon einige Jahre zuvor eine deutliche Verschärfung der russischen Rhetorik festgestellt. So hatte zum Beispiel der frühere KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow – dem nachgesagt wird, er habe mit seiner Politik der »Perestroika« die Konfrontation zwischen Ost und West beendet – schon im Dezember 2011 von einer neuen russischen Aufrüstung gesprochen und vor einem neuen Wettrüsten »gewarnt«, das die Gefahr einer Eskalation mit sich bringe und das angeblich durch die USA verschuldet werde. Nach Gorbatschows Ansicht würde ein neuer Kalter Krieg »heute wohl unweigerlich in einen Atomkrieg münden«[1] Doch trotz solch deutlicher Worte nahm die westliche Öffentlichkeit die russische Kriegsrhetorik jahrelang kaum zur Kenntnis. Erst seit dem Frühjahr 2014 scheint das Bewusstsein für die wachsende Kriegsgefahr in Europa nun auch in den westlichen Medien wieder zuzunehmen und man stellt verwundert fest, dass Moskaus neuer Kurs der Konfrontation kein vorübergehendes Problem ist. So schrieb zum Beispiel die NZZ im Frühjahr 2015, Russland scheine dazu bereit, »ständig neue Spannungen zu provozieren – auch weil es sich bisher darauf verlassen konnte, dass der Westen mit allen Mitteln schlichten würde.«[2] Die allgemeine Ratlosigkeit angesichts der zunehmenden Aggressivität Russlands zeugt davon, dass die westliche Öffentlichkeit die Politik Moskaus nie wirklich durchschaut hat.

Dabei hatten sich schon seit vielen Jahren immer wieder östliche Überläufer zu Wort gemeldet, die ausdrücklich davor warnten, dass Moskau eine Langzeitstrategie verfolge, die mehrere Jahrzehnte in die Zukunft reiche und die nach einer vorübergehenden Phase der politischen und wirtschaftlichen Liberalisierungen und der vorgetäuschten Partnerschaft mit der westlichen Welt ausdrücklich eine Rückkehr zum Kalten Krieg vorsehe. So hatte zum Beispiel der tschechoslowakische General Jan Sejna schon im Jahr 1982 angekündigt, dass der Kreml langfristig auf eine neue Weltwirtschaftskrise hinarbeite, um dann das Wettrüsten wiederzubeleben, das der krisengeschwächte Westen diesmal planmäßig verlieren solle. Dabei hatte General Sejna auch betont, dass die zukünftige russische Aggressivität keine leere Drohung sein würde, vielmehr wäre der Kreml wirklich dazu bereit, lokale oder regionale Kriege in Europa zu beginnen, um den Kontinent unter seine Kontrolle zu bekommen.

Vor diesem Hintergrund dürfte es kein Zufall sein, dass Moskau wenige Jahre nach dem Ausbruch der globalen Finanzkrise im Jahr 2007, die eine weitere Reduzierung der im Vergleich zu früheren Jahrzehnten ohnehin schon unterfinanzierten westlichen Verteidigungsetats bewirkte, tatsächlich wieder auf Konfrontationskurs gegangen ist. Und erst in diesem Zusammenhang wird auch die Brisanz der Entwicklungen deutlich, die in den letzten Jahren die Schlagzeilen geprägt haben. Vor allem die unsichere Situation an der Südflanke der NATO wirkt bedrohlich, wo im Zusammenhang mit dem syrischen Bürgerkrieg wiederholt russische Kampfflugzeuge in den türkischen Luftraum eingedrungen sind, was bereits zum Abschuss eines russischen Bombers durch die türkische Luftwaffe geführt hat und was erst Befürchtungen vor einem drohenden Bündnisfall und anschließend vor einer Spaltung der NATO aufkommen ließ. Doch während man diese Entwicklung noch als eine Nebenerscheinung des Krieges in Syrien deuten könnte, fällt es weitaus schwerer, eine Entschuldigung für die zunehmenden russischen Provokationen im Baltikum zu finden, wo russische Kampfflugzeuge immer häufiger den Luftraum der NATO bedrohen und wo es deutliche Hinweise darauf gibt, dass der Kreml versucht, die baltischen Staaten zu destabilisieren. Sogar in Deutschland betreibt Moskau nach Erkenntnissen deutscher Geheimdienste im Rahmen einer neuen Form der »asymmetrischen Kriegsführung« seit einigen Jahren die vorsätzliche Destabilisierung der öffentlichen Ordnung. Selbst in den neutralen Staaten Skandinaviens wächst in letzter Zeit die Sorge vor einer russischen Aggression, weshalb man in Finnland und Schweden bereits über einen Beitritt zur NATO nachdenkt. Wenn General Sejna und die anderen Überläufer Recht behalten und wenn die Handlungen Moskaus tatsächlich einer Langzeitstrategie folgen (vgl. weiterführende Literatur im Anhang), dann ist nicht nur zu befürchten, dass sich die neue Konfrontation zwischen Ost und West in den nächsten Jahren weiter verschärfen wird, sondern auch, dass der Westen dabei zusehends ins Hintertreffen gerät. Nun soll an dieser Stelle nicht erörtert werden, wie es dazu kommen konnte, jedoch gibt die Rückkehr der Konfrontation Anlass, sich daran zu erinnern, was in früheren Jahrzehnten nötig war, um zu verhindern, dass der Kalte Krieg in Europa heiß wird.

In den 1980er Jahren, also in der Zeit, in der die Handlung des Romans Team Yankee spielt, hing am Eingang des von der Friedensbewegung belagerten amerikanischen Pershing-2-Raketendepots in Mutlangen ein Schild, das die Einsicht in die Notwendigkeit einer wirksamen Landesverteidigung im NATO-Bündnis treffend wiedergibt, darauf stand: »Wir dienen nicht um den Krieg zu fördern, sondern um den Frieden zu erhalten«, denn »die Freiheit ist nicht kostenlos«. Dahinter steckt eine Wahrheit, die dem heutigen Zeitgeist unzugänglich geworden ist, nämlich dass es insbesondere in Zeiten der Bedrohung durch den roten Totalitarismus den Soldaten braucht, um Frieden und Freiheit zu bewahren und aufrechtzuerhalten. Der Autor des Romans Team Yankee, der als Kompaniechef einer amerikanischen Panzerkompanie Ende der 1970er Jahre selbst die Aufgabe hatte, die Grenze zur sowjetisch besetzten Zone zwischen der »Fulda-Gap« und der »Schweinfurt-Gap« zu sichern, lässt seinen Protagonisten diese Wahrheit mit den Worten formulieren: »Die wichtigste Aufgabe der US-Army in Europa war, einen Krieg zu verhindern. Abschreckung. Das war der Zweck.«

Bis zum Ende der 1980er Jahre war die Bedrohung durch den sowjetischen Totalitarismus offensichtlich, doch seit dem vermeintlichen »Kollaps des Kommunismus« ist sie aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden und mit ihr die Einsicht in die Notwendigkeit einer wirksamen Landesverteidigung. Seit dem Beginn der 1990er Jahre ist in Vergessenheit geraten, dass es die Soldaten der Bundeswehr und ihrer NATO-Verbündeten waren, die den Frieden und die Freiheit in Mitteleuropa über Jahrzehnte gesichert haben, denn mit ihrem Einsatz verweigerten sie dem Kreml die Aussicht darauf, dass eine militärische Ausdehnung des sowjetischen Einflussbereichs nach Westeuropa erfolgreich verlaufen könnte. Der General der Bundeswehr Johann Adolf Graf von Kielmansegg wies im Jahr 1978 auf die größte damals drohende Gefahr hin, nämlich »durch eigene politische und militärische Schwäche die Sowjetunion eines Tages in die Versuchung zu bringen, unter einem für sie tragbaren Risiko militärische Lösungen in Europa für möglich und erfolgversprechend zu halten. Mit anderen Worten heißt das, dass der Westen die Abschreckung (…) durch eigene Fehler und Unterlassungen unwirksam machen könnte.«[3]

Wenn die aktuelle Rückkehr Moskaus zur Politik der Konfrontation also tatsächlich einer Langzeitstrategie folgt, dann könnte dieser Tag heute näher sein als je zuvor. Denn während die für »humanitäre Einsätze« und die Erfüllung globaler Polizeiaufgaben zweckentfremdeten Streitkräfte der NATO heute kaum noch zur Verteidigung Europas und damit zur Aufrechterhaltung einer wirksamen Abschreckung in der Lage sind, provoziert Moskau nicht nur »ständig neue Spannungen«, sondern Moskau scheint auch wieder bestrebt, die untergegangen geglaubte Sowjetunion unter dem Begriff »Eurasische Union« von »Wladiwostok bis Lissabon« neu zu konstituieren. Und so könnte das in den 1980er Jahren angesiedelte Szenario des Romans Team Yankee bald schon wieder zu einer akuten Bedrohung werden. Dann könnte es bald schon wieder von der Fähigkeit zu einer wirksamen Landesverteidigung und der damit verbundenen glaubwürdigen Abschreckung abhängen, ob das, was der Autor den »schlimmsten Alptraum« seines Protagonisten nennt, zur Wirklichkeit wird, denn wehrloser Pazifismus und eine davon getragene Politik ist im Angesicht der Bedrohung durch den Totalitarismus ein höchst gefährlicher Irrtum.

[1] Focus.de 12.1.2015 – Michail Gorbatschow warnt vor Atomkrieg in Europa
[2]
NZZ.ch 15.5.15 – Putins Spiel mit dem Krieg
[3]
Sir John Hackett – Der Dritte Weltkrieg: Hauptschauplatz Deutschland S.12


Torsten Mann, Jahrgang 1976, ist politischer Publizist. Er vertritt die These, dass der Kommunismus zu Beginn der 1990er Jahre nicht untergegangen ist, sondern unter Beibehaltung seiner Ziele lediglich eine planmäßige Umgestaltung seiner Methoden vorgenommen hat.

 

 

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